Das Ledigenheim als Denkmal

Das Ledigenheim, die Menage oder auch im Volksmund "das Bullenkloster" genannt, war eine Einrichtung direkt am Rand der Grube Anna, in der ledige Bergarbeiter untergebracht wurden. Es wurde 1910 errichtet und wird noch heute als Vereinslokal und als Proberäume genutzt.

Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse beschäftigen sich im Rahmen eines Projekts der Stiftung Denkmalschutz mit der wechselvollen Geschichte des Gebäudes und versuchen ihre Erkenntnisse in künstlerischer Form zu präsentieren. 

Das Kunstprojekt

Erste Begegnung mit dem Gebäude 

Nachdem die Schüler/innen über die Lage, Geschichte und derzeitige Nutzung des Ledigenheims erste Informationen erhalten hatten, wurde das Gebäude besichtigt. Wir konnten  unterschiedliche Räume sehen, so dass die Jugendlichen sowohl mit der Vergangenheit als auch mit der Gegenwart konfrontiert worden sind. Erbaut im Kaiserreich als Unterkunft für die ledigen Bergarbeiter aus ganz Deutschland wurde es in den beiden Kriegen als Zwangsarbeiterlager genutzt. Nach der Schließung in den 50er Jahren wurde es zeitweise als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Sichtung der Gegenstände aus dem Fundus des ansässigen Bergbauvereins

Besonders interessant waren viele Objekte, die der ortsansässige Bergbauverein in dem Gebäude aufbewahrt. Das Betrachten und Anfassen der Gebrauchsobjekte des letzten Jahrhunderts ließ zahlreiche Fragen aufkommen und führte zu vielen Gesprächen.

Die Fotos, die vor Ort gemacht worden sind, wurden anschließend im Kunstunterricht für eine grafische Arbeit genutzt. So wurden Fotografien von freiliegenden Versorgungsrohren weiter gezeichnet. Dabei kamen unterschiedliche Zeichengeräte (Bleistift, Kreide und Kohle) zum Einsatz. Sowohl die Umsetzung der dritten Dimension als auch die Bewältigung von Hell-Dunkel-Kontrast stellten eine Herausforderung dar.

Rauminstallation

Im Kunstunterricht (Klassenverband) wurde Surrealismus behandelt. Dabei beschäftigten die Schüler/innen sich intensiv mit dem Bild „Persönliche Werte“ von René Magritte. Magritte öffnet in diesem Bild den Raum. Der Innenraum wird mit dem Außenraum verbunden und die persönlichen Werte des Künstlers erscheinen um ein Vielfaches vergrößert. Der sich anschließende Arbeitsauftrag, einen surrealen persönlichen Raum zu entwerfen, wurde von der Projektgruppe „Ledigenheim“ vertieft.

In einem Raum des Gebäudes wurde eine Rauminstallation gefertigt. Zunächst wurden vier große Leinwände (90x320 cm) zugeschnitten, bemalt und montiert. Die Rückwand des Raumes verwandelte sich in einen „Meerblick“ (Sand, Wasser, Himmel)  und auf dem Boden wurde Sand geschüttet. Die Schüler/innen versetzten sich im Verlauf des Projektes in die Situation des jungen, ledigen Bergmanns, der sich - weit weg von Familie und Heimat - in diesem Raum wegträumt und seine eigenen „surrealen Welten“ empfindet. Um die Gefühle und Sehnsüchte des jungen Bergmanns zu den Themenfeldern Familie, Freunde, Heimat, Essen, Liebe, Musik, Sport, Glaube, Religion, Zukunft und Tod auszudrücken, fertigten die Schüler/innen im Unterricht Collagen an, die später vor der gemalten Rückwand der Installation befestigt wurden. Die Schüler/innen versuchten die Situationen szenisch darzustellen. Dabei wurden einerseits erneut die Gegenstände und Kleidungsstücke dieser Zeit für die szenischen Darstellungen eingesetzt, aber auch mitgebrachte Gegenstände arrangiert. Die gespielten Szenen wurden fotografiert.

Filmprojekt

Für die verbleibende Zeit ist geplant, eine Szene als kleines Theaterstück zu spielen und zu filmen. Dafür wird erneut der Raum mit der gestalteten Rückwand genutzt.