Warum bietet die Marienschule Soziales Lernen in den Klassen 5 und 6 an?

Kinder, die über angemessene soziale Kompetenzen verfügen, können auch in anderen Entwicklungsbereichen anstehende Entwicklungsaufgaben ausbilden. Fehlen diese Kompetenzen jedoch, kann das umfassende Beeinträchtigungen nach sich ziehen, da es den Kindern an Voraussetzungen fehlt, weitere anstehende Entwicklungsaufgaben optimal zu bewältigen.

Es hat sich gezeigt, dass viele Kinder, wenn sie zu uns kommen noch Unterstützung bei der Ausbildung dieser Kompetenzen benötigen, um gemeinsam lernen zu können.

Im Sinne der Inklusion möchten wir die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Lernenden in den Mittelpunkt stellen und Vielfalt als Chance für den Lern - und Bildungsprozess begreifen. „Nicht der Lernende muss sich in ein bestehendes System integrieren, sondern das Bildungssystem muss die Bedürfnisse aller Lernenden

berücksichtigen und sich ihnen anpassen“ (Quelle: UNESCO). Inklusive Bildung bedeutet, dass allen Menschen – unabhängig von Geschlecht, Religion, ethnischer Zugehörigkeit, besonderen Lernbedürfnissen, sozialen oder ökonomischen Voraussetzungen – die gleichen Möglichkeiten offen stehen, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potenziale zu entwickeln

Was können die Schülerinnen und Schüler durch das Fach Soziales Lernen üben? Welche Methoden kommen zum Einsatz?

Der Aufbau einer positiven Selbstwahrnehmung ist grundlegend für die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Im Unterrichtsfach Soziales Lernen erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung, Kooperationsfähigkeit und Zuhörkompetenz zu stärken sowie den Umgang mit Konflikten zu üben und Selbstbewusstsein aufzubauen.

Dies geschieht auch durch theaterpädagogische Übungen, welche die Möglichkeiten eröffnen den eigenen Ausdruck bewusst wahrzunehmen sowie der Auseinandersetzung mit den genannten Themen in Einzel und Gruppenarbeit. Hierbei orientieren wir uns an dem Konzept „Gemeinsam leben lernen“. In Klasse 5 und 6 werden unter dem Titel „Wir werden ein Team“ folgende Themen bearbeitet:

  1. Kennenlernen
  2. Regeln
  3. Selbstvertrauen
  4. Gefühle
  5. Vertrauen in andere

Sanfter Übergang

Die Grundidee ist das Bemühen, eine Vielzahl von Individuen, die aus unterschiedlichen Grundschulen kommen, in Ansätzen zu einer Klassengemeinschaft zu formen und behutsam mit den Anforderungen und Arbeitsweisen der neuen Schulform Realschule vertraut zu machen.

Dieses Vertrautmachen beginnt bereits vor der Einschulung mit dem Kennenlernen der neuen KlassenlehrerInnen und der neuen Mitschüler und Mitschülerinnen am sog. Kennenlerntag. Hierzu lädt das zukünftige Klassenlehrerteam alle Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern mit einem persönlichen Brief ein. Der Kennenlerntag findet an einem Samstagnachmittag ca. 2 Wochen vor Beginn der Sommerferien statt. Zu diesem bunten Nachmittag, dessen Programm von den 5. Klassen und meist auch von der Theater-AG gestaltet wird, werden auch die Paten (je drei Schüler aus den zukünftigen 7. Klassen) eingeladen und an der Organisation beteiligt.

Nach der Einschulung am 1. Schultag, der mit einem ökumenischen Gottesdienst beginnt, haben unsere Neuen in der 1. Schulwoche vorwiegend Klassenlehrerunterricht. Das Kennenlernen der neuen Mitschülerinnen und Mitschüler, des Schulgebäudes, der Fachräume und des Schulgeländes und seiner näheren Umgebung stehen hierbei im Vordergrund. Am Ende der 1. Schulwoche findet ein Ausflug in die nähere Umgebung gemeinsam mit den MitschülerInnen aus der Parallelklasse und den Paten statt. Später - etwa nach 4 bis 6 Wochen Unterrichtszeit - findet die 2-tägige Kennenlernfahrt statt, die ebenfalls von den Paten begleitet wird.

Schulleben im Detail

Der Erwerb von Schlüsselqualifikationen fällt unter den Schwerpunkt soziale Kompetenz. Dazu zählen Lern- und Leistungsbereitschaft, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, Ausdauer und Belastbarkeit, Selbständigkeit, Konfliktfähigkeit und Toleranz, Zuverlässigkeit und viele mehr.
Wir haben damit begonnen, in den Klasse 5 – 8 die Dispositionen zum Erwerb dieser Qualifikationen zu fördern, indem wir

  • eine saubere Heftführung
  • eine sorgfältige Hausaufgabenerledigung
  • die gewissenhafte Übernahme von Ämtern
  • die Ordnung im Klassenraum und auf dem Schulhof
  • einen respektvollen Umgang miteinander
  • Pünktlichkeit
  • und einen angemessenen Sprachgebrauch einfordern.

Öffnung der Schule

Die Öffnung der Schule nach außen ist für uns eine Selbstverständlichkeit. So ist es unser Bestreben Experten in die Schule zu holen (Waldschule, Drogenberatung, Verkehrssicherheitserziehung mit der Polizei, Berufswahlvorbereitung) aber auch, dass die SchülerInnen das Schulgebäude verlassen und das Lernen nicht am Schultor endet. Hier sind neben Unterrichtsgängen in den Fächern Biologie, Politik, Religion, Erdkunde und Sozialwissenschaften viele Tagesfahrten schon zu einem festen Bestandteil des Stundenplanes geworden.

Die soziale Kompetenz unserer SchülerInnen soll durch die aktive Teilnahme am außerunterrichtlichen Schulleben (Schulsanitätsdienst, Streitschlichtung, Sporthelfer) noch weiter gefördert werden.

Feste – Feiern - Klassenfahrten

Die Marienschule ist ein Lern- und Lebensort, eine Stätte des Miteinanderlebens, Arbeitens und Feierns. Bei Festen in der Schule wird die Planung und Durchführung sehr bereichert durch die aktive Mitwirkung der Eltern, insbesondere bei der Gestaltung von Schulfesten (alle zwei Jahre), der Bewirtung beim Tag der offenen Tür und bei Theateraufführungen.

Einen wichtigen und festen Platz in unserem Unterricht nehmen ebenso Klassenfahrten ein. Bereits nach vier Wochen an der Marienschule machen sich die 5er Klassen auf zur ersten Kennenlernfahrt. Am Ende der Erprobungsstufe steht dann eine drei bis fünftägige Klassenfahrt auf dem Programm, ehe in Klasse 10 eine Studienfahrt stattfindet.

Jeden ersten Freitag im Monat finden eine Messe oder ein Gottesdienst in Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Pfarren statt, zu der alle SchülerInnen eingeladen sind.

Das Sozialpraktikum

Alle 8.-Klässler nehmen an unserem Sozialpraktikum teil. Sie besuchen dabei in ihrer Freizeit Einrichtungen der Alten- und Behindertenpflege sowie integrative Kindertagesstätten und arbeiten 20 Stunden mit.

Streitschlichtung / Mediation

Überall dort, wo Menschen miteinander leben und arbeiten, kann es mitunter zu Konflikten und Streit kommen. Von der anfänglich lustigen Belegung mit einem Spitznamen über die Beschimpfung bis hin zu ausgrenzendem Mobbing. Von der "harmlosen" Rangelei bis zur verbissenen Prügelei. Damit ein solcher Konflikt rechtzeitig eingedämmt und sogar beigelegt werden kann, ohne zur Dauerfehde auszuarten, die das soziale Klima permanent vergiftet, bietet die Marienschule tatkräftige Hilfe und fundierten Rat so genannter Streitschlichterteams an. Diese Streitschlichter sind SchülerInnen werden regelmäßig ausgebildet, um zusammen mit den "Streithähnen" den Konflikt aufzuarbeiten und zu lösen. Die Tätigkeit als Streitschlichter ist interessant, anspruchsvoll und stellt hohe Anforderungen an das Verantwortungsbewusstsein der ausgesuchten Mediatoren.

Die Schüler können sich jederzeit an die Streitschlichter wenden, wenn sie Hilfe brauchen um ihren Streit friedlich zu lösen. Die Streitschlichter sind in den Pausen, laut Aushang im Schaukasten, im Forum anzutreffen. Dabei steht nicht die Schuldfrage im Vordergrund, sondern die Bewältigung des Konflikts.
Zum Streitschlichter werden auf freiwilliger Basis Schülerinnen und Schüler ein Schuljahr lang ausgebildet. Hier lernen sie zuallererst sich selber und ihr Verhalten auch in Konfliktsituationen kennen, wichtige Elemente der Körpersprache und das Leiten von Streitschlichtungsgesprächen .
Die Übungen helfen den Schülern auch, sich besser in die Situation der Mitschüler hineinzuversetzen und konflikträchtige Situationen zu deeskalieren. Zum Ende der Ausbildung führen die zukünftigen Streitschlichter selbstständig ein Soziales Training mit den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 5 und 6 durch. Hier wenden die Schüler ihre neu erworbenen Fähigkeiten praktisch an und geben den Schülern gleichzeitig Gelegenheit, sie besser kennenzulernen. So werden mögliche Hemmungen und Unsicherheiten der Schüler gegenüber den Schlichtern verhindert.

Für die Ausgrenzung von Minderheiten ist an unserer Schule kein Platz!