9. November 2013

Samstagabend 19 Uhr. Die Gedenkfeier anlässlich der Reichspogromnacht 1938 wurde von Pfarrer Ruprecht van de Weyer, katholischer Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Aachen e.V. eröffnet. Es folgten Musikbeiträge der Musikhochschule Aachen und mahnende Worte des Aachener Oberbürgermeisters Herrn Marcel Philipp.

In einem bewegenden Beitrag schilderten die Marienschüler, wie das jüdische Leben in Alsdorf ausgesehen hat. Die jüdischen Mitbürger waren zur damaligen Zeit angesehene  Bürger, christliche und jüdische Familien unterhielten eine gute nachbarschaftliche Beziehung

zueinander. Umso unverständlicher ist es den Schülerinnen und Schülern, dass niemand den jüdischen Familien bei ihrer zunehmenden Entrechtung beistand, niemand  ihnen nach dem 9. November 1938 half, als ihre Häuser verwüstet waren, ihr Hausrat zerstört oder geplündert war und sie aus ihrer Heimat deportiert wurden. Immer wieder stand im Krönungssaal die Frage im Raum: „Wie konnte das geschehen, obwohl sie geachtet waren?“

Die zahlreichen Gäste erfuhren auf ergreifende Weise, wie die Synagoge, die sich in   Hoengen in der Schillerstraße 34 befand,  am 9. November 1938 geschändet und die Thorarolle entweiht und zerstört wurde. Der im gegenüber liegenden Haus lebende Michael Lucas war damals Augenzeuge dieser schrecklichen Ereignisse, sein Bericht wurde während der Gedenkfeier verlesen. Wie der Zufall es will, wurden am Samstagmorgen, genau 75 Jahre nach der Reichspogromnacht, vier Stolpersteine für die Familie Lucas in den Bürgersteig eingelassen. Diese Familie, auf deren Grund und Boden das jüdische Gotteshaus 1926 gebaut worden war, wurde 1942 aus Alsdorf verschleppt. Wo sie ermordet wurde, ist unbekannt.

Zahlreiche Bilder  illustrierten die Beiträge der Schüler: der Gedenkstein vor der Synagoge, die Stolpersteine für die Familien Lucas und Keller,  Gedenksteine auf den ehemaligen jüdischen Friedhöfen, die die Erinnerung an die ehemaligen jüdi-schen Mitbürger wachhalten, deren Gräber verwüstet wurden. Ein besonderes Augenmerk richteten die Schülerinnen und Schüler auf die  2010 in Alsdorf-Mitte errichtete Stele zur Erinnerung an die jüdischen Geschäftsleute, die damals rund um die Bahnhofstraße lebten und arbeiteten. Denn kurz nach der Einweihung des schwarzen Gedenksteins wurde er verwüstet, nach seiner Wiederherstellung wiederum beschädigt:   „Da, wo wir leben, da, wo sie lebten. Mitten in unserer Stadt.“ Betroffenheit und völliges Unverständnis  schwangen  mit, als die Marienschüler  die Fragen stellten: “Warum taten sie das? Aus Hass, Wut, Gedankenlosigkeit?“

Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust legten die Schüler symbolisch einen Trauerflor, eine Blume und einen Stein nieder und zündeten eine Kerze an. Dabei gaben sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass auch die Täter irgendwann begreifen und verstehen werden.

Die Marienschüler trugen zum Abschluss den Psalm Lev 19/18 auch in hebräischer Sprache vor und gaben  jedem Gast ein Kärtchen des Erinnerns mit auf den Nachhauseweg:  „Wir wollen nicht vergessen. Wir wollen uns erinnern.“

 

Die Gedenkfeier endete mit dem Gebet ‚Gott voller Erbarmen‘, das Rabbiner Mordechai Bohrer in hebräischer und deutscher Sprache vortrug.

Ein besonderer Dank für das maßgebliche Gelingen dieser anspruchsvollen Aufgabe geht an:

Frau Stevens, Frau Engels, Frau Pachow und Frau Schiffer-Graaf, Marvin Klaus (7b), Tom Marquardt (7b), Larissa Thiele, Leon Hinterleutner, Jonas Küffen, Björn Ley, Daniel Wirtz (alle 9b) Jessica Quandt-Jurado , Lena Pütz , Eileen Slomka, Maike Windmüller,  Pascal Küchen , Alexander Näthke (alle 10a) und  Lukas Wintgens (10b) .